Forum Verlagsherstellung auf der Frankfurter Buchmesse

Das Deutsche Institut Druck (DID) gestaltete zum zweiten Mal im Rahmen des Forums Verlagsherstellung auf der Frankfurter Buchmesse eine interessante und anregende Podiumsdiskussion. Themen waren u.a. die Zusammenarbeit der an der Buchproduktion Beteiligten, Trends bei der Herstellung und Ausführung von Büchern und Broschüren sowie Online-Handels-Plattformen.

In seinen einführenden Worten ging Dr. Wilhelm Neubauer, stellv. Vorsitzender der Gruppe Druckweiterverarbeitung im DID, auf die im Mai in Düsseldorf stattgefundene weltweit größte Messe der grafischen Industrie, die „drupa“ ein. Aufgrund der globalen Finanzkrise ist nun eher eine vorsichtige Investitionshaltung festzustellen. Er hofft, dass von der Buchmesse trotz aller Turbulenzen positive Signale ausgehen. Bücher und hochwertige Broschüren begeistern nach wie vor die Menschen. Die drupa war stark vom Digitaldruck, von großformatigen Bogendruckmaschinen und den Weiterverarbeitungs- und Veredelungsmöglichkeiten geprägt. Das Finishing entscheidet schließlich, ob der Buchinhalt seinen Wert und die Aufmerksamkeit erhält. Und das Buch in seiner vielfältigen Ausstattung fühlbar und damit erlebbar zu machen, ist eine Herausforderung. Unter der Moderation von Dr. Wilhelm Neubauer diskutierten Erik Kurtz, Kösel GmbH & Co. KG, Altusried-Krugzell; Thomas Narr, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München; Klaus G. Obert, Winter & Company GmbH, Lörrach; und Arno M. Stein, Stein + Lehmann, Berlin.


Verleger und Produzenten von Büchern stehen unter einem enormen Preisdruck. So wurden sich in der Vergangenheit viele Bücher ähnlich. In den letzten beiden Jahren wird aber wieder ein leichter Trend zur Abhebung von der Masse beobachtet. Auffälligkeit bedarf der Kreativität. Und diese Ideen, die dann in besondere Gestaltung, Veredelung und Ausstattung mit hochwertigen Materialien münden, müssen unter industriellen Produktionsbedingungen realisierbar sein. Voraussetzung für solche Entwicklungen ist die frühzeitige Kommunikation und Abstimmung aller an der Planung und der Produktion von Büchern und Broschuren Beteiligten, von Verlag/Agentur über Drucker/Buchbinder bis zum Materiallieferanten. Nur dann können schöne, besondere und bezahlbare Bücher entstehen. Zum Abheben von der Masse und Marken-pflege zählen auch effektvolle Dinge bei vertretbarem Mehraufwand wie ein besonderes Leseband oder eine Metallprägung auf dem Schuber.

Offene Online-Handelsplattformen werden von den Buchbindern abgelehnt, da die Auswahl hier lediglich über den Preis laufe. Es gibt allerdings bereits Online-Plattformen zwischen festen Partnern, durch die der administrative Aufwand deutlich reduziert werde. Von Verlagsseite wird die auktionistische Plattform für Auftrags-Pakete (nicht Klein-Aufträge) als probates Mittel für die Einkäufer gesehen. Durch eine diskrete Arbeitsweise erhalten die Anbieter keinen Einblick in die Preise ihrer Mitbewerber, der Verlag aber einen Überblick über die Marktsituation. Über definierte Standard-Materialien hinaus mache es dagegen keinen Sinn, Daten ins Web zu stellen. Haptische Eigenschaften sind nun einmal nicht digital darstellbar.

Zur Optimierung ihrer Produktion setzen die Buchbinder moderne hochautomatisierte Weiterverarbeitungs-maschinen ein. Diese verkürzen die Rüstvorgänge und bieten Kontrollmöglichkeiten zur Vollständigkeit des Buchblocks oder richtigen Lage der Bögen. Von den Maschinenherstellern wünschen sich die Buchbinder weitere Anstrengungen hinsichtlich Automatisierung, reproduzierbaren Maschineneinstellungen sowie zur Qualitätssicherung und besonders auch stabile, langlebige Maschinen, da der Return of Investment immer später erreicht werde. Bezüglich der zu verarbeitenden Materialien wünschen sie sich verlässliche Eigenschaften.

Die Diskutierenden sind sich einig, dass die frühzeitige Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen für die erfolgreiche industrielle Buchproduktion in Deutschland unabdingbar sind. Wünschenswert ist ebenfalls mehr Lokalpatriotismus für „printed (and bound) in Germany“.